Muss das sein?

Na ja. Wenn wir uns vielseitig ernähren würden, viel Grünes und wenig Fleisch essen, wenn wir uns den sogenannten „Genussgiften“ enthalten würden, wenn wir weniger Stress hätten, wenn wir eine gesündere Umwelt hätten, wenn unsere Nahrung wirklich reichhaltig wäre…. DANN könnten wir das Thema getrost ad Acta legen.


Es gilt, das rechte Maß zu finden. 

Kam eine sehr ernährungsbewusste Patientin in meine Praxis. Ihre Osteopathin hatte ihr einen umfangreichen Detox-Plan erstellt. Dabei erzählte sie mir, dass sie schon den ganzen Herbst über entgiftet hatte, und nannte mir die Mittel, die sie dazu nutzte. Es entstand das Bild einer Frau, die mit niemand anderem mehr unterwegs war als mit Mr. Detox. Dabei schien sie mir relativ angespannt. Jetzt wollte sie weitermachen denn sie hatte das Gefühl, dass sie einfach zu wenig Energie hatte.


Puh. Das klang mega anstrengend.


Ich sagte ihr: „Hören Sie auf mit dem Entgiften. Ihr Körper schafft das schon.“


Ich konnte den Stein regelrecht hören, der ihr von der Seele fiel.


Wir machten einen kleinen Plan für Entspannung, Genuss und alle-fünfe-gerade-sein-lassen. Sie begann ein moderates Fasten mit Gemüsesuppen, die sie sehr mochte.


Zwei Wochen später kam sie wieder in meine Praxis und bedankte sich sehr für den Anti-Detox-Plan. Sie war vital, fröhlich und stand am Morgen wieder gerne auf. Ihr war auch ein Licht aufgegangen. Nämlich, dass sie Ihrem Drang zum Perfektionismus auf den Leim gegangen war.

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Geschäfte werden gemacht mit der Fehlbarkeit der Menschen

Das war schon immer so. Zuweilen habe ich den Eindruck, die ganze Welt ist mit entgiften beschäftigt. Als wäre das ein Ersatz für die Geißelungen alter Zeiten. Als wären alle bei ihrem schlechten Gewissen gepackt. Ein echter Hype. Detox, stetig, immer wieder, immer wieder anders. Da werden Pulver und Kapseln ver- und gekauft, die dafür gut sein sollen. Es ist ein riesiger Markt entstanden, bei dem mir immer wieder die Haare zu Berge stehen. Besonders zu Jahresbeginn ist das Netz voll davon.

Wer’s mit dem Entgiften übrigens übertreibt, dem kann es passieren, dass auch Gutes aus dem Körper ausgeleitet wird. Dadurch, dass viele Entgiftungskuren stark entwässern, kann es auch schon mal zu einem Verlust an Mineralstoffen kommen – wenn man zu lange damit unterwegs ist.


Hier gilt: 

It’s better with a guide.


Die Wahrheit ist: 

Keep cool. Wir sind keine wandelnden Mülleimer. Unser Körper entgiftet immer. Ganz von selbst. Würde er es nicht tun, wären wir schnell hinüber. Unsere Leber, die Nieren, der Darm, die Lunge, ja sogar unsere Haut ist damit beschäftigt. Tagein, Tagaus.


Ausnahmen bestätigen die Regel:


  • Es gibt Situationen, da haben wir von innen heraus das Gefühl, dass wir Abstand vom „Zuviel“ suchen. Da spricht dann wirklich unser Bauchhirn oder so etwas wie die innere Stimme. Dann ist es auch gut, ihr zu folgen. Oftmals ist das zur Jahreswende der Fall oder im Frühling, wenn wir wieder vital und ausgeschlafen die Welt begrüßen möchten. Manchmal auch im Herbst, wenn wir das Bedürfnis haben uns für die weihnachtliche Zeit zu rüsten. Wichtig: es muss wirklich ein inneres Bedürfnis sein. Teure Produkte müssen dafür nicht gekauft werden.


  • Es gibt tatsächlich schlimme Erkrankungen, bei denen der Körper mit Toxinen überflutet wird: Leberzirrhose, Krebs, Nierenversagen, Schwermetallbelastung. All dies gehört definitiv in ärztliche Hände, am besten zusätzlich begleitet durch eine Naturheilkundlerin. 


Gesagt, getan: 

Entgiften sei unser täglich Werk. Indem wir uns zum Beispiel basisch ernähren, langsam und mit Genuss essen, uns bewegen, in den Wald gehen, Tiere lieben und unsere Liebsten sowieso. Indem wir bei Tisch für gute Stimmung sorgen und mit ehrlichem Herzen kommunizieren. Indem wir gut für uns sorgen und ausreichend Pausen einlegen. Indem wir unseren Alltag mit Sinn füllen und gute Gedanken pflegen.


Und alle, die darüber hinaus ab und an eine Fastenwoche einlegen, sind sowieso auf einer guten Seite. Fasten bringt Kraft und – gewusst wie – gute Laune.


Dafür gibt es übrigens hier meinen Fastenkurs zu haben. Darin erfährst Du auch, wie das mit dem Entgiften, wissenschaftlich als Autophagie benannt, wirklich funktioniert. 


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