Ach, Schmerzen sind ein leidiges Thema. Wir wollen sie nicht fühlen und eigentlich wollen wir auch nichts über sie hören. Nicht von Oma und auch nicht hier. Dabei sind Schmerzen nicht schlecht, sondern ein wichtiges Alarmzeichen des Körpers. Er fordert uns unmissverständlich auf, auf eine bestimmte Sache zu achten. Allerdings können Schmerzen auch Überhand nehmen oder chronisch werden. Dann sind sie  nicht mehr nützlich, sondern nur noch sehr anstrengend. In solchen Fällen können Heilpflanzen helfen.

Was genau sind Schmerzen?

Per Definition sind Schmerzen zunächst einmal komplexe Sinnesempfindungen, die als Nervenimpulse vom peripheren an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden, wo sie dann interpretiert werden. Diese intensiven Nervenimpulse überliefern dem Bewusstsein Alarmbotschaften des Körpers.


Je nachdem, woher die Schmerzen rühren, können sie durch verschiedene Heilpflanzen gelindert werden. Um genau herauszufinden, welche Pflanze man verwenden sollte, ist es wichtig, die Ursache des Schmerzes genau zu kennen. Denn Kopfschmerzen durch einen Sonnenstich sind eben nicht die gleichen wie die monatliche Migräne-Attacke und müssen dementsprechend auch anders behandelt werden.


Schmerzlindernde Heilpflanzen können grundlegend danach unterschieden werden, ob sie die Schmerzen lindern, weil sie dem zugrunde liegenden Leiden entgegenwirken, oder hauptsächlich betäubend wirken.

Symptome bekämpfen, um Schmerzen zu lindern

Als altes Hausmittel wird Kamillentee auch heute noch wie schon seit Jahrhunderten gegen Bauchschmerzen bei Magenverstimmungen eingesetzt. Kamille (Matricaria chamomilla) wirkt nämlich entzündungshemmend und kann Blähungen sowie Völlegefühl abmildern. Rühren die Bauchschmerzen allerdings von Muskelkontraktionen des Uterus während der Regelblutung, sind krampflösende und muskelentspannende Pflanzen wie Ingwer (Zingiber officinale) ratsam. In beiden Fällen ist ein Tee die ideale Anwendungsoption, da er direkt im Magen-Darm-Bereich wirken kann.


Viele Menschen leiden an Muskelschmerzen aufgrund von Fehlhaltungen und Verspannungen. Hier können krampflösende und muskelentspannende Pflanzen wie Arnica (Arnica montana) Abhilfe verschaffen. Die Pflanze wird meist äußerlich als Creme eingesetzt und regt die Heilung besonders bei Entzündungen und Prellungen an.


Während Wärme bei Schmerzen durch Muskelverspannungen guttut, ist bei Kopfschmerzen das Gegenteil der Fall: hier hilft vor allem kühlen. Eine Heilpflanze, die besonders für ihre kühlende Wirkung, ob in Tee oder Limonade, bekannt ist, ist Pfefferminze (Menta piperita).


Pfefferminzöl hat eine lokal anästhesierende, also betäubende, Wirkung. Pfefferminze wirkt aber vor allem gut gegen Kopfschmerzen, weil es die Schmerz-Nerven-Botenstoffe Serotonin und Substanz-P hemmt und somit die Kopfschmerzen effektiv beseitigen. Dafür kann man etwas Pfefferminzöl direkt auf die Schläfen und den Nackenbereich tupfen oder in einem anderen Öl vermischt, mit einem Roller auftragen.


Viele von uns sind mit Aspirin als Schmerzmittel vertraut, das zum Beispiel bei schweren Kopfschmerzen Wunder wirken kann. Weniger bekannt als das Schmerzmittel sind allerdings seine Ursprünge. Bis zur Erfindung und massenhaften Herstellung von Aspirin war nämlich sein natürlicher Vorgänger weit verbreitet: die Weidenrinde (Salicis cortex).


Sie enthält Salicynate, die im Körper zu Salicylsäuren umgewandelt werden und denen der Wirkstoff von Aspirin, Acetylsalicylsäure, nachempfunden wurde. Von Heilkundler*innen wird sie bis heute eingesetzt, um Schmerzen zu lindern. Gängige Anwendungsformen sind vor allem in Tinktur oder Tee, jedoch kann Weidenrinde den Magen irritieren.

Pflanzen mit betäubender Wirkung

Pflanzen mit betäubender Wirkung können in besonders hohen Dosierungen als Drogen verwendet werden und sind oft nicht ungefährlich im Gebrauch. Sie sollten fachkundig, in geringen Dosierungen und nur dann verwendet werden, wenn es keine andere Linderung für den Schmerz gibt.


Ein gutes Beispiel dafür ist Klatschmohn, auf dessen Basis das Arzneimittel Morphium  und andere Opiate beruhen. Andere betäubende Pflanzen sind beispielsweise der Kratombaum aus Malesien,  Gewürznelken und die parasitäre Monotropa-Pflanze. Sie alle können in akuten Situationen Abhilfe leisten, beispielsweise wenn Zahnschmerzen unaufhaltbar sind und der Weg zum Zahnarzt zu lang ist oder wenn jemand mit einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus muss.


Diese Pflanzen können Schmerzen allerdings völlig verschwinden lassen, weshalb sie mit Vorsicht zu genießen sind. Denn sie machen es auch leicht, einen stechenden Knieschmerz beispielsweise so lange zu ignorieren, bis das Kniegelenk schwer entzündet ist.


Bei chronischen Schmerzen hat sich außerdem Cannabis (Cannabis indica)  bewährt, das aber im Gegensatz zu vielen anderen Heilpflanzen verschreibungspflichtig ist. Ein Vorteil von medizinischem Cannabis ist die ärztliche Begleitung und Hilfestellung bei der Dosierung und Anwendung.

Ein Plädoyer für den Schmerz

Abschließend möchte ich noch ein Wort für die Verursacher dieses Themas einlegen: Schmerzen. Denn auch wenn sie natürlich unangenehm sind und alarmierend wirken, erfüllen sie genau damit ihren Zweck. Sie weisen uns intensiv und unumgänglich auf ein echtes Problem in unserem Körper hin, um das wir uns kümmern müssen.


Deshalb möchte ich auch nur die im ersten Teil des Beitrags beschriebenen schmerzlindernden Pflanzen, die auf die Wurzel des Problems einwirken, uneingeschränkt empfehlen. Die im letzten Teil erwähnten Pflanzen mit betäubender Wirkung hingegen sollten nur im Notfall und mit fachkundiger Begleitung verwendet werden. Und das nicht nur wegen schwieriger Dosierung und möglichen unerwünschten Effekten. Sondern auch, weil nicht chronische Schmerzen gefühlt werden wollen. Ich sehe sie als Einladung, hinzufühlen, sich mit einem Organ oder einer bestimmten Körperregion vertraut zu machen und den eigenen Körper wahrzunehmen. Anzuhalten, anstatt den Körper zu betäuben und stumm zu schalten. Jeder Mensch hat eine andere Schmerztoleranz, aber bei gesunden Menschen können Schmerzen, die ernst- und wahrgenommen werden, neue Türen öffnen.

Quellen

https://www.primaveralife.com/news/mit-pfefferminze-gegen-den-kopfschmerz

Natur- und Umweltschutzakademie NRW: 55 Wildpflanzen im Portrait. https://www.nua.nrw.de/medienshop/bildungsordner-bildungsmaterial-und-materialmappen/144-55-wildpflanzen-im-portrait.html

Dr. med. Franjo Grotenhermen: Die Heilkraft von CBD und Cannabis. Rowohlt Verlag. (2020).

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