Aromakundliche Bewusstseins-Arbeit: Erkenntnisgewinn mit ätherischen Ölen

Motivation zur Thematik

Bei Begegnungen in der Praxis oder während Seminaren mit jenen Menschen, die sich von ätherischen Ölen begleiten und bewegen lassen wollten und auch im Gespräch mit Menschen, die sich durch die Lektüre der Aromakunde-Bücher mit den Ölen beschäftigten, kommen immer wieder folgende Fragen auf:


Was geschieht bei diesen so intensiven Begegnungen zwischen einem ätherischen Öl und dem Menschen? Wie kommt es, dass dabei tatsächlich eine Horizontserweiterung, das eigene Leben betreffend, wahrnehmbar stattfindet, man mehr über sich erfährt, als man bisher gesehen und gedacht hatte? Welcher Art ist die Bewusstseinsarbeit, das Wahrnehmen und Denken in der ‚Lebendigen Aromakunde‘?


Hier wird jedenfalls Wissen neu, neues Wissen auf überraschende Weise geschaffen. Beide Hirnhälften werden intensiv beschäftigt: durch Beobachten äußerlicher, sinnlich feststellbarer Fakten; und parallel dazu durch inneres Erleben bilderzeugenden Geschehens und dem Versuch, dies zu begreifen und, wo möglich, dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen. Das ist höchst kreativ und kann jenen, die sich darauf einlassen, Lust, Staunen und Steigern der Lebensmotivation schenken.

Und noch mehr:

In der Aromakunde weiß man sich verbunden mit den immateriellen Wesenheiten („Essentiae“) und erkennt das in uns Schaubare: eigene geistige Wesensanteile. Eben, weil wir offenbar mehr als nur Physis sind, erkennen wir Geist.

„Und wär‘ das Auge nicht sonnenhaft, es könnt‘ die Sonne nicht erschaun“. (Goethe)

Die Kunst der aromakundlichen Wahrnehmung hat ihre Eigenheit wohl besonders darin, dass
Menschen eine Zusammenkunft auf mehreren Ebenen zulassen. Mehrere Welten dürfen sich treffen. Diese Begegnung können wir eine „symbolische“ nennen.
Es geschieht durchaus, dass Menschen durch einfache kutane Anwendungen mit einem ätherischen Öl (kurz: ÄÖ), wie z.B. dem der Zuckerbirke (Betula lenta, aus den Blättern und Zweigen) in einer minimalen Dosierung von 0,1%igem ÄÖ-Anteil, zu Erkenntnis-Impulsen kommen, die sich sprachlich am treffendsten wie folgt ausdrücken lassen:


Ich nehme das Ungewisse leicht, urteile mit unirdischem Maß über scharfe Kante und dumpfes Lot.
Mir ist jeder Untergrund recht, ein jeglicher Wind kann wehen – immer bin ich dein Pionier, der deutet:
Lerne nun hier! In unerwarteter Schicksalswendung geschieht in ewigwährender Wandlung deine wesentliche Handlung.

(Auszug Aroma-Poesie ‚Birke‘ © Lebendige Aromakunde)

Was heißt Erkenntnis im Rahmen der Aromakunde?

Das genau macht die Aromakunde aus: Sie lässt Querdenken zwischen verschiedenen Realitäten zu. Sie öffnet sich dem soge- nannten Unmöglichen und verurteilt es nicht.


Wie funktioniert aromakundliche Wahrnehmung?

„Wenn wir die Welt in ihrer ganzen Komplexität verstehen wollen, müssen wir lernen, viel mehr in Prozessen, Resonanzen, Wechselwir- kungen zu denken, als in Wenn-Dann-Ketten. Ein solches Denken in Verschränkungen möchte ich „fluide“ nennen, analog zur Fließfähigkeit von Flüssigkeiten.(…) Auch wenn wir nicht „parallel denken“ kön- nen, können wir doch lernen, Denken auf mehreren Ebenen zu üben. Fluides Denken ist prozesshaft orientiert, multiperspektivisch, kann zwischen verschiedenen Betrachtungsebenen und Modellen hin-und herwechseln.“ (M.Horx)


Zwei Entscheidungen wurden hier zum weiteren Verständnis der Wahrnehmung in der Aromakunde getroffen:

  1. Die gängige Festlegung, Wirkungen ätherischer Öle wären nur als Sichtbares bzw. mithilfe das Sichtbare wahrnehmbarer Organe oder Instrumente existenziell erklärbar, muss prinzipiell ergänzt, zu einem Ganzen gewandelt werden. D.h., es geht vorrangig weder nur um ein Wirkungsverhältnis zwischen messbaren biochemischen Baustei- nen und messenden Sinnen/In- strumenten, noch um eine Duft- Riechnervenzell-Riechhirn-Wirkung, sondern v.a. um all jenes, was im „Unsichtbaren“, eben in einem Be- deutungsfeld, im Symbolischen, liegt.
  2. Um diese andere Herangehensweise von jener der Aromatherapie oder Aromamedizin deutlich zu differenzieren, bedurfte es einer neuen- Bezeichnung. Ich nenne sie seit 1990 „Lebendige Aromakunde“, oder „aromakundliche Begleitung“.


Ätherische Öle geben notwendige Impulse an Wirkkräfte (Energien) in unserem gesamten Organismus, die sich, so sie brachliegen, in Not gebrauchen und mobilisieren lassen (so in der konventionellen „Aromamedizin“ und „Aromatherapie“). Es kann dabei auch völlig Unerwartetes, vorübergehend Mühsames, aber in rechter Anwendungs- weise der Öle immer im Sinne des Patienten Hilfreiches bewirkt werden: angefangen bei Fieber oder Durchfall über Ausschläge, hin zu starken Stimmungsschwankungen bis zu traumartigem Verarbeiten eines Ge- schehens (vergleichbar den sogenannten „Erstverschlimmerungen“ in der Homöopathie). Das wirft Fragen nach dem Woher und Wozu solchen Geschehens auf. Und dies repräsentiert das Wesen der „Lebendigen Aromakunde“:


Im ÄÖ liegt der Impuls zur Antwort, die in der Erkenntnis-Frage eines Menschen enthalten ist. Das ÄÖ hilft dem Menschen zu „reflektieren“, sich nach innen zu wenden, um sich an die dort liegende Antwort zu „erinnern“. Dieses Geschehen nennen wir „Anamnesis“ (= Wiedererinnerung). Tauchen in den Begegnungen mit den ÄÖ Bilder, Stimmungen, Farben, Worte, Mythen auf, so dienen sie als symbolische Erinnerungsbrücke für ein quasi bildhaft anschauliches Denken. Das löst eine Resonanz im Innern des Klienten aus. Er knüpft dabei im besten Fall wieder an seinen wahrhaften Ressourcen an, erfährt seine eigene Sinngebung und hat eine innere Handhabe, auf die er sich nachhaltig verlassen kann. Dieses Vorgehen wird gemeinhin ein „salutogenetisches“ genannt.

Das salutogenetische Konzept entwickelte der Medizinsoziologe Aaron Antonowsky als Gegenstück zum Begriff der Pathogenese. Darin stellt er die zur Gesundheitsförderung stabilisierenden, gesunden Anteile und Kraftquellen als „Resilienz“in den Vordergrund.



Die Eindrücke, die wir von den ätherischen Ölen empfangen, erwei- sen sich meist als sehr viel subtiler und komplexer, als wir sie zum Ausdruck bringen können. Da wir aber, auch ohne Öle, lernen müssen, unsere subtilen Empfindungen oder Erkenntnisse in unserem Bewusstsein zu integrieren, geben sie uns beispielhafte Gelegenheiten dazu. Symbolische Aromakunde stellt damit eine Methode zum Erlernen subtiler Reflektion dar und dient damit einem individuellen Erkennt- nisgewinn (im Sinne der „cognition based medicine“, nach Kiene u.a., im Unterschied zur „evidence based medicine“).

Ein ätherisches Öl betrachten wir also weniger als pauschales Medikament, sondern eher als individuell dialoganregenden Vermittler, insbesondere aber als schöpferischen Impulsgeber.

Den Menschen erfährt man so weniger als Krankheitsfall, denn vielmehr als Erscheinungsbild von Persönlichkeit und vor allem als kreativen Gestalter seines eigenen Lebensweges.



Aromakundlicher Forschungsweg:

Geschieht die ÄÖ-Anwendung ohne die Absicht einer Behandlung von akuten Symptomen und Beschwerden, setzt man sie also nicht gegen ein aktuell vorliegendes Krankheitsgeschehen, sondern zur Gesundheitsförderung (Salutogenese) oder „aromakundlichen Erkenntnisarbeit“ ein, so wird sie als „Ölprüfung“ bezeichnet.



Die aromakundlichen Ölprüfungsergebnisse do- kumentieren wir in unserer Institutsarbeit in einem Erkenntnis-Bogen. Er dient vor allem den Prüflingen/Klienten für ihr gesundheitliches/biografisches Selbstverständnis im Sinne einer selbst- reflektierenden Persönlichkeits-Entwicklung. Zugleich stellt er auch die Grundlage zur Forschung und Lehre in der Aromakunde dar. Hierfür werten wir Erkenntnisbögen der Ölprüfenden in Bezug auf dasselbe ÄÖ aus. Ölprüfungs-Fragen nach Befindlichkeiten, Auffälligkeiten und Besonderheiten sind z.B.:


a) körperlich: Was löst das Öl im Leib aus? Wo ist es zu spüren mit diversen Sinnen? Ist das Befinden bekannt oder neu? Erinnert es an etwas? „Es fühlt sich an wie …“
b) emotional: Wie verändert sich die Stimmung durch das Öl? Was für Gefühle zeigen sich?
c) seelisch: Was für Erinnerungen kommen? Was fordert es? Was ist ggf. zu viel? Wenn es unangenehm ist: Was genau bewirkt es? Welche Bereiche werden dadurch berührt? Gibt es (überraschende) Rückmeldungen von anderen Personen? Verhalte ich mich anders als sonst?
d) geistig: Werde ich mit dem Öl anders inspiriert? Wie sind meine „geistigen Anbindungen“ damit?
e) außergewöhnliche Erlebnisse – Besonderheiten – Träume


Jede aromakundliche Anwendungsserie als auch Ölprüfung zeigt Wirkungen, die sich subsumieren lassen. Diese Zusammenfassung kann sowohl für den Anwender als auch über die Ölcharakteristik etwas aussagen. Auf diese Weise sind aus den Berichten von hunderten von Klienten konkrete Mittelbilder von etwa 150 ätherischen Ölen ent- standen.


Jede aromakundliche Anwendungsserie als auch Ölprüfung zeigt Wirkungen, die sich subsumieren lassen. Diese Zusammenfassung kann sowohl für den Anwender als auch über die Ölcharakteristik etwas aussagen. Auf diese Weise sind aus den Berichten von hunderten von Klienten konkrete Mittelbilder von etwa 150 ätherischen Ölen entstanden.

Vier Rückschlüsse sind aus allen Ergebnissen aromakundlicher Ölprüfungen zu entnehmen:

  1. Die Klienten bekommen Impulse in ihr physisches, emotionales und soziales „Außengeschehen“, das sie im seelisch-geistigen „Inneren“ als für sie persönlich bedeutsam erkennen.
  2. Die Begleitung in der Lebendigen Aromakunde ist vorwiegend salutogenetisch orientiert und wirksam.
  3. Aromakunde stellt eine Erkenntnis-Hilfe dar. Sie erhebt dabei nicht den Anspruch einer TherapieMethode im konventionellen Sinne einer Problem- oder Krankheitsbekämpfung.
  4. Diese Art von Aromakunde verkörpert einen Teil eines künstlerischen Schaffens und dient ei- nem schöpferischen Dasein, aus Sicht des Autors der höchsten Stufe von Gesundheit eines Men- schen.

    Zu einer intensiven und kreativen Forschung in eine solche Richtung will dieser Text anregen!
    Der Wunsch des Autors besteht darin, komplementärmedizinisch orientierte Therapeuten als auch Gesundheitspraktiker und ganzheitlich orientierte Ärzte zu geistes-wissenschaftlicher Erkenntnissuche einzuladen.

Auszug Quellenliste:

Kiene, Helmut;Komplementäre Methodenlehre der Klinischen Forschung, Cognition-based-medicine M.Horx; Zukunftswerkstatt

Aaron Antonovsky; Salutogenese

Jürgen Trott-Tschepe; Aromakunde – Kunst der Wahrnehmung, Bände 1-4 (vergriffen)

J. Trott-Tschepe; Lebens-Essenzen (Neuerscheinung Institut Lebendige Aromakunde Frühjahr 2018)

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